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Archiv-Berichte vom: 05.02.2005

25.01.05

 

 

Lagebericht aus Tangalle, Süd-Sri-Lanka
05.02.2005

 

 

Poya-Day 26.01.2005

Einen Vollmond ( Poya-Day ) später – nach der neuen Zeitrechnung :

Sri Lanka schein tief durchzuatmen und gedenkt seiner über 31.000 Toten, seiner immer noch nicht gezählten Verwundeten in den Hospitälern, seiner weit über 100.000 Obdachlosen.

Der 26.12.2004 war auch ein Poya-Day, dazu 1. Weihnachtstag (hier Boxing Day), ein „anspiciousday“, an dem viele junge Ceylonesen heiraten – da von Wahrsagern ihnen wegen besonders günstiger Konstellation vorausgesagt und empfohlen -  als die erste  Tsunami-Welle kurz nach 9.00 morgens den „coastal belt“ Sri Lankas traf und die weit fürchterliche 2. Welle 20 – 45 Minuten später folgte.

Der 26.12.2004 ist für die Insel - und für ganz Süd-Ost-Asien – das, was der 11.09.2001 für die USA und die westliche Welt bedeutet – ein tiefer Einschnitt ihrer bis dahin plätschernden „Normalität“.

Die Wellen, die ja keine – auch wenn noch so hoch – normalen Wellen waren, sondern die unvorstellbare Kraft und den gewaltigen Schub von einem großen Teil des gesamten Ozeans darstellten, haben die Ost-, West- und Südküste dort, wo sie flach war, Lagunen und/oder Flussmündungen hatte, teilweise über einen Kilometer landeinwärts weit total verwüstet und alles was sich dieser Wasserwand – gleich ob 1 Meter oder bis zu 3 Metern hoch – vernichtet. Bäume, Häuser, Menschen – auch in Autos, Bussen oder Zug – hatten keine Chance. Es muss über sie gekommen sein wie der Weltuntergang oder eine andere globale Strafe Gottes.

Die Frage nach dem Warum wird hier eifrig diskutiert.

Dort, wo die Wellen auf höher und steiler gelegenes Land trafen, haben sie teilweise erstaunlich wenig beschädigt.

Die Regierung will nun ein Neu- und Wiederaufbauverbot innerhalb von 100 Metern

Die Regierung will nun ein Neu- und Wiederaufbauverbot innerhalb von 100 Metern (gemessen von der Vegetationslinie/grenze) im Westen und Süden, von 200 – 300 Metern im Osten durch “ticken“, und teilweise ganze Städte ( z.B. Matara, Hambantota), Stadtteile (z.B. Tangalle), Dörfer und Einzelgebäude, zum Landesinneren hin verlegen. Was angesichts der unterschiedlichen Topographien, der entsprechend verschiedenen Beschädigungen (siehe oben) und des dann folgenden weiter zurückgehenden Tourismus (viele Hotels, Guesthouses etc. liegen in der 100 Meter „Buffer-Zone“) und Fischereiindustrie mehr als fraglich und sinnig erscheint – und auch schon zu heftigen Kontroversen im Parlament und unter Küstenbewohnern geführt hat.

Viele Fischer und Hoteliers wollen oder/und können die Küste nicht verlassen.

Tangalle 04.02.2005
(Independence Day)

Auf der Küstenstraße zurück von Colombo nach Tangalle (ca. 200 km):

6 Wochen nach der – zumindest hier in Sri Lanka – seit Menschengedenken größten Katastrophe erholt sich der Süden nur langsam. Vieles ist auf- und weggeräumt, die Straßen, Wege und Brücken wieder befahrbar.  Von der Hauptküstenstraße aus gesehen sieht es fast „ordentlich gerichtet“ aus: Freier Blick wohin das Auge schweift. Schutt und Müll entsorgt. Hin und wieder „stören“ einzelne „überlebte“ Häuser oder deren Ruinen, Einzelzelte oder Zeltcamps (meist direkt daneben aufgeschlagen) den Durchblick auf das freie Meer oder auf die wieder hergestellten Bahngleise- und dämme.

Die Versorgung der Überlebenden mit Wasser, Nahrung, Kleidung, Medikamenten etc. scheint inzwischen von Privat, NGO, Freund und Localgoverment recht gut organisiert. Es wird immer schwieriger und langwieriger Hilfsgüter aus dem Hafen und Airport durch den Zoll zu "schleusen". Ohne "Vitamin B" läuft nichts.

Wir hier aus Goyambokka und Tangalle ( Resortmitarbeiter, Fahrer mit ihren Helfern und ca. ein Dutzend lokale Koordinatoren (darunter Lehrer, Beamte, Fischer etc.) verteilen immer noch Trockennahrung, Bettzeug, Moskitonetze, Medikamente, Koch- und Schulutensilien, Damen- und sonstige Hygieneartikel, Babynahrung und entsprechendes Zubehör, Spielzeug, oder ähnliches Tag für Tag in Tangalle und Umgebung.

Es gibt halt noch viele Bedürftige, für die sich nach Direkthilfe noch nichts Entscheidendes verändert hat. Sie haben zwar ein Dach über ihren Kopf, zu trinken und zu essen, werden medizinisch betreut, sind aber weiterhin abhängig von Gebern (6! Wochen).

Es gilt nun diesen vielen Hunderten Menschen wieder in feste Häuser mit adäquaten Koch- und Sanitäreinrichtungen unterzubringen, ihnen Arbeit und Lohn für ein eigenes selbständiges „würdiges“ Auskommen zu beschaffen. Also nach Kurz(Direkt)-mittel sind jetzt die länger bis langfristigen Lösungen angesagt.

Die Fischer z.B. in unserer direkten und weiteren Nachbarschaft brauchen Boote ( Katamarane und größere Fiberglas-Boote) mit kleinen bis mittleren Außenbordmotoren ( 8 – 25 PS ), Netze und ähnlichem Equipment. Wir – meine Familie und Freunde – haben ein Katamaranprojekt initiiert und 4 Katamarane auf „Kiel“ legen lassen. Weitere sind aber dringlich:

Kosten  (04.02.2005) :

1 Katamaran ( Fiberglas ) ca. Euro 500

1 Außenbordmotor 8 PS ca. Euro 1.000

1 Fischernetzset ca. Euro 300 – 500

Materialien, Motoren Netze werden spürbar täglich teurer, da die Nachfrage steigt, der Bedarf also groß, die vorhandenen Kapazitäten klein und die Händler gierig sind.

Zudem sind die Tauschkurse merklich schlechter geworden.

Auch die Kosten für Baumaterialien steigen.

Ein festes, solides Haus für eine Familie mit 60m² Grundfläche, 2 Schafräumen, 1 Wohnzimmer, Küche, Toilette kostete bis Ende Januar 2005 ca. $ 5.000.

Das erste „Village“ entsteht bereits 15 km von uns entfernt bei Rauna – privat initiiert und finanziert!

Hilfreich wären weiterhin Küchenutensilien, Möbel, push-Bikes (Fahrräder), Mopeds, Tuk-Tuks, Kleintraktoren (sog. Handtractors) – für Transporte -, Schulutensilien und Schulmöbel. (Der Wiederaufbau von 176 zerstörten Schulen ist inzwischen Regierungssache – zumindest verbal!)

Häuser brauchen Infrastruktur wie Wege, Wasser, Elektrizität, Sanitäranlagen wie z.B. Septictanks. Boote brauchen „Werften“.

Es gibt noch reichlich vieles zu tun, packens wir´s an!

Herzlichst für Sie aus Sri Lanka

Manfred
M. M.

Spendenkonto:

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Volksbank Rhein Ruhr e. G.
Konto-Nr.: 3117010100
BLZ 350 603 86


 

 

 

 

 

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